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Donnerstag, 30. Dezember 2010

Mittwoch, 6. Oktober 2010

nachtpanorama

01:26 - roter turm
vor dem geschmack fällt immer das zeitgefühl
der kopf so wach und die augen noch so zu
verweilen vor dem panorama vor meinem fenster
ein ausblick wie für kaiser

der 18. bezirk
dunkel wie eine uneroberte wildnis
deren backsteinrote dächer
die meinen farbenschwachen augen
als wildgrün sehen könnten
nur die zwei kuppeln der sternwarte
wie zwei vergessene
perry-rhodan raumschiffe

hinunterschauen
auf die spittelau
die in diesem wässerigen
dämmerlicht aussieht wie
vergessene pappkulissen
aus blade runner

dahinter nur der nebel
oder das nichts

dazwischen der gürtel
fahrzeuggespickt
wie ein großer goldener strom

das wars!
zeit aufs klo zu kommen

Dienstag, 13. Juli 2010

schwere nacht

der wind brennt
der durch unser schlafzimmer weht

satt und schwer der erinnerungen
die er in form der fotos
von unserer vorzimmerwand gerissen hat

wühlt in den vorhängen
wie in den haaren seiner geliebten
die nicht erwachen will

und unsere matten körper
weigern sich feuer zu fangen

Montag, 28. September 2009

the cur(s)e

der erste sündenfall
geschieht immer in der jugend
und aus liebe

ein mädchen
eine zurückweisung
- wir können doch freunde sein -
und ein hunger der nimmt
was er kriegen kann

ICH BEREUE NICHTS

die langen jahre an ihrer seite
das leben unter ihrer oberfläche
dort wo ihr blut pulsiert
er atmet ihre gefühle
wie ein embryo sein fruchtwasser

ein erster kuss
geschwisterlich
in der talsohle ihrer angst
die besiegelung eines längst geschlossenen
paktes der in die schächte führt

ICH BEREUE NICHTS

das lange fasten
das dennoch nur ein atem hohlen

zwei die sich
aneinander verlieren
und damit die alten teufel wieder beschwören
- der SCHMERZFRESSER ist wieder da

ICH BEREUE NICHTS

wie gut es schmeckt
so frisch
so echt
so bedeutend

im hinterzimmer der seelen
im kartoffelkeller der herzen
in den lagerhäusern der erinnerung
was hat die sonne uns noch zu geben?

ICH BEREUE NICHTS

auf der jagd
da ist noch etwas nekröses gewebe
unter deiner narbe
ich nehme es gerne mit einem schuss
bitternis und zweifel

Zeig mir deine dunkle seite
ich will dir nur helfen

ICH WERDE ES NICHT BEREUEN

Donnerstag, 24. September 2009

fightclub - (ECHTZEIT)




fightclub mit den jungs
und wir wollen es heute wieder wissen

seine schläge dreschen
wie ein hagelschauer auf mich
aber ich kann sie halten
weiß nicht wie
ein paar worte heute vormittag
haben mich ebenso rund gemacht wie meine bewegungen
dutzende treffer
aber keiner verletzt

immer wider überraschend
wie viel besser andere deine grenzen kennen
und wie nah sie sich ran wagen

auf EIN bier sind wir noch nie gegangen
männergespräche
weil die quotenfrau heute fehlt
- über frau und kind und wohnung -
phasenverschoben
teenager machen dich alt
aber wieder frei

die jungs verschwinden auf ihren motorrädern,
ihre rücklichter verschwinden im straßenverkehr
wie kometen die in eine sonne stürzen

alleine über den gürtel
zwei vampire gerade aus
eine mit viel bein
eine mit viel dekolleté
ein goldring streift den lederflügel
und ein parfum verheißt ein ungewisses abenteuer
dennoch verschwenden wir keinen blick aneinander

die U-Bahn-Gleise zeichen
einen fluchtpunkt
in die dunkelheit
wie ein unausweichliches schicksal

bei michelbeuern läuft ein mädchen
wie aus einem japanischen computerspiel
über den bahnsteig
ich sauge ihrer bewegungsmuster ein
als ob ich mich davon nähren könnte

zuhause sind die lichter aus
niemand wach der unsere wunden leckt
besser wie ein dieb zu kommen
als wie einer zu gehen

Sonntag, 20. September 2009

exorzismen - REPLAY











































1985
er ist 14
geht noch lange nicht als jugendlicher durch
als er im keller
der alten frau von nebenan
den in die wand geritzen totenkopf entdeckt
dilletantisch aber überzeugend

er ist alleine
kennt nocht keine formel des weißen ritus
und steht als kind alleine
dem schrecken gegenüber



2009
im hinterhof der alten speicherstadt
stösst er auf die frischen kreidestriche
des irren malers


inzwischen weiß er was sich hinter den blinden scheiben befindet
ein teil von ihm ist fasziniert von der linie
(die er selber gerne hätte)
aber er kann den lauernden wahnsinn spüren
wie einen sack schlafender kellerasseln

diesmal aber ist er nicht alleine
ihre nähe
ihre präsenz
ihre aura
reicht aus
um seine geister zu vertreiben

und die ewige schlange im zaum zu halten

Freitag, 18. September 2009

killing ground - REPLAY


in einer nacht
die nach hahnenkämpfe schreit
von den königinnen erwählt


kokette angriffe
die mich aus der reserve locken sollen
aber mich nur noch mehr in meine höhle treiben
(wie wenig man dann doch einander kennt)

federn gelassen
hätten sie mich siegen sehen wollen?
oder hätte ihnen mein brennen gereicht?


eine schlacht verweigert
aber das feld nicht geräumt


die frau glüht
und ich kann nicht folgen


ICH HABE IHRE FARBEN GETRAGEN


dennoch das panner
unter dem zu sterben man bereit
zurück in ihre Hände gelegt


später werden wir einander heim geleiten
durch die fremde stadt
seite an seite
mein arm in bereitschaft
aber unnötig


am nächsten tag
am schwankenden schiff
mein mantel auf ihrer schulter

scharmützel wie die
von letzter nacht
brauchen keinen friedensschluß

der wind in ihrem haar
reicht um zu vergessen

Donnerstag, 9. Juli 2009

tauchgang (ECHTZEIT)

wie tief hinab
in ein nacht muss man tauchen
um das wahre gesicht eines menschen
zu erkennen

wie tief hinab
in eine nacht muss man tauchen
dass man sich endlich traut
eine gemeinsame wahrheit auszusprechen

wie tief hinab
in ein nacht muss man tauchen
um ausreichend leichtsinn zu trinken
um endlich seine eigene sprache zu sprechen

wie tief hinab
in eine nacht bist du getaucht
das dich am nächsten morgen (wieder mal)
eine sehnsucht
verbrennt

wie tief warst du
was hast du gewonnen
was hast du verloren

irgendwann musst du zurück
an die oberfläche
die tiefe gibt uns halt